Dienstag, 27. Oktober 2009

SEMINCI 2009 (Semana internacional de cine in Valladolid)



Bienvenida al mundo del cine!

Alljährlich findet im beschaulichen Valladolid eines der bedeutendsten Filmfestivals auf dem spanischen Festland statt: die SEMINCI. Eine Woche lang laufen rund um die Uhr in allen Kinos der statt Filme, von 9 Uhr morgens bis nach Mitternacht. Im Grunde befindet sich die Stadt im Ausnahmezustand (wobei hier die Frage ist wie sich die angebliche Normalität hier definieren soll und kann, was einen automatisch dazu führt,dass das spanische Leben an sich ein Ausnahmezustand ist oder ein ständiger Prozess in konfuse und difuse Richtungen). Die ganze Stadt ist mit einem roten Teppich geflastert, Horden von Cineasten scharren sich um die Kinos und vermeintliche Filmstars geben sich im VIP-Bereich und bei Pressekonferenz die Ehre. Und ich bin natürlich mittendrin im Wahnsinn, da mein Mitbewohner ein begnadeter Cineast ist, der u.a. Filmkritiken für ein recht stylisches Magazin schreibt. Fatal aber abwechslungsreich, führte es mich doch zur Teilnahme an einem netten Interview mit einem Schweizer Dokumentarfilmemacher auf englisch, deutsch und wahlweise spanisch und französisch, zu viel Essen und Trinken für auf Empfängen, Lunch und in Bar und natürlich einigen sehr verschiedenen Filmen aller Art. Zuletzt ADAM, einer der wenigen Filme, die mich in meinem jungen Leben mitten ins Herz getroffen haben, sodass ich auch nach dem Film noch meinen Weltschmerz in den Kinosaal hinausheulte. Um mich davon abzulenken, ging ich heute abend mit Sara, Klaudia und Argantael (einer Irin) auf Halloweenparty-Shopping, da wir WAIT FOR IT am Samstag eine Halloweenparty in meiner WG abhalten wollen. Die erste in meinem Leben!


Man darf gespannt sein, was die Woche noch so bringt...

Samstag, 17. Oktober 2009

Medina del Campo oder Wahnsinn ist jetzt strafbar.

Seid gegrüßt, FreundInnen des Herbstes!

Vor etwa einer viertel Stunde habe ich mein doch vergleichsweise warmes Heim wieder betreten und kann euch deshalb nun ganz frisch meinen heute erlebten Tagesausflug nach MEDINA DEL CAMPO schildern, der mal wieder einige Abenteuer mit sich brachte...

Zusammen mit Klaudia und Sara brach ich gegen Mittag bei Sonnenschein und gemäßigt herbstlichen Temperaturen mit dem Zug ins nahe gelegene Medina del Campo auf, einer der sicherlich bedeutenden historischen Stätten Spaniens, wo einst Königinnen und Könige residierten und der Handel sowie das Leben blühte. Mit etwa 21.000 Einwohnern handelt sich tatsächlich um eine Stadt, die jedoch vor allem als Headquarter der Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón gilt und darüber hinaus ein recht prächtiges Schloss, das Castilla de la Mota, sein eigen nennt. Mit selbigem begannen wir dann auch unsere Tour, die allerdings nicht länger als 20 Minuten andauerte, da man nur die Kapelle und den Innenhof besichtigen konnte.










Gleich darauf steuerten wir auf das historische Stadtzentrum, der sonst im Allgemeinen recht unansehnlichen Wohnbunker-Stadt, zu und schafften es vor der Siesta (Wir erinnern uns: von 14 bis 17 Uhr.) auf den Plaza Mayor und die Touristeninfo, wo wir uns einen Stadtplan holten.
DOCH HALT! Die herbstliche Harmonie wurde durch einen entscheidenden Vorfall unterbrochen, nämlich: Den Eintrag unserer Personalien in spanische Polizeiregister. Was war geschehen? Nun...auf unserem Weg in den Stadtkern kamen wir an einem recht schönen Backsteinhaus vorbei und hielten es auf Foto fest. Als wir gerade unseren Weg weiter begehen wollten, kam ein spanischer Wachmann herbeigelaufen und forderte unsere Persos von uns und die sofortige Löschung unseres soeben getätigten Fotos! SKANDAL im beschaulichen Medina del Campo! Noch immer steht der Leser oder die Leserin dieser Fülle von Ereignissen ratlos gegenüber, jedoch nicht mehr,wenn sich herausstellt, dass das malerische Gebäude ein Regierungsgebäude war und man uns unter Umständen für deutsche Spionen hielt. :D Hoch die Tassen! Kopien unserer Ausweise liegen nun also vor und nun müssen wir es uns doppelt überlegen,ob wir bei rot über die Ampel gehen. ;) Verrückt, die Spanier!


Danach hieß es dann erstmal: Zeit totschlagen. Und vor allem etwas Nahrung zu uns nehmen, da wir bis zu jenem Zeitpunkt am Nachmittag nur leere Mägen vorweisen konnten. Also suchten wir uns eine Bar jenseits der Touristenplätze und verspeisten dort landestypische Tortillas (die ich im übrigen bald nachkochen werde,ha!). Danach wechselten wir einige Straßen weiter in ein Café im warmen Sonnenschein des Plaza Mayor und genossen diverse Heißgetränke. Wer nun ein wenig nachrechnet, kann sich denken,dass damit noch keine drei Stunden vergangen waren, allerdings muss ich nun auch erwähnen, dass schon um 16 Uhr das Museo de las Ferias und der Palacio Testamentario de Isabel, la Católica aufmachten, wir also nur noch eine halbe Stunde in einem nahe gelegenen Park verbrachten.












Bueno... Mit der deutschen Pünktlichkeit im Schlepptau gelangten wir um 16.05 Uhr ins Museum, welches ich an dieser Stelle nur jedem ans Herz legen kann. Im Wesentlichen beschäftigt es sich mit der Geschichte der Jahrmärkte in Medina del Campo. Unbeteiligte mögen das jetzt merkwürdig finden, jedoch sorgt die Information, dass die Stadt in der frühen Neuzeit zu einem der bedeutendsten Handelsplätze im Königreich gehörte, hier für ein AHA-Erlebnis. Ganz aufschlussreich auch für meine Magisterarbeit, da es eben auf jenen Jahrmärkten geschah, dass die Krone ihre Bänker und Kreditgeber ausbezahlte - also jene Leute, die zuvor ganze Söldnerheere vorfinanziert hatten. :D Das Museumspersonal war sehr hilfreich und die Audioguides sehr liebevoll gestaltet, so etwa mit Rollenspielen und dem notwendigen Ambiente (Musik, Geräuschskulisse etc.).
Darauf führte uns der Stadtplan noch auf eine Stippvisite in den Palacio zum Testament Isabellas von Kastilien. Obwohl mich die Originaldokumente natürlich in ihren Bann zogen, gab es hier alles in allem nicht viel zu sehen... Abgesehen davon galt es für uns auch den Zug um halb sieben zu nehmen, andernfalls - so dachten wir - hätten wir noch zwei Stunden warten müssen.








Wie das Leben so spielt, mussten wir tatsächlich zwei Stunden am Bahnhof verbringen, da sich herausstellte, dass es gar keinen Zug zu beschriebener Zeit gab und dass der Wahnsinn uns anscheinend dahingehend die Sinne vernebelt hatte. Hungrig waren wir aufgrund unserer nur spärlichen Nahrungsaufnahme selbstverständlich auch und mussten deshalb von der Hand in den Mund bzw. vom Automaten mit Chips und Schokokeksen leben. Zumindest bis wir um 9 wieder in unserer Heimat angelangt waren und um 10.30 schließlich den wirklich sehr unterhaltsamen und abwechslungsreichen Tag beim Chinesen ausklingen ließen. Viva Espana...







P.S. Irgendwie hat mich das ganze an meine Frankreich-Ausflüge erinnert. An dieser Stelle also ein freundliches SALUT an alle damals Beteiligten. I miss you all!!

P.P.S. Auch brandheiß diese Woche: Das Museo Oriental und Campo Grande in Valladolid und das hervorragende Konzert von The Sunday Drivers. Doch davon ein anders Mal mehr.

Sonntag, 11. Oktober 2009

...y por la noche....

Sara und ich erwarten mit Ungeduld die spanische Abendbrotzeit



Borja zaubert einen ausgezeichneten griechischen Salat.



A comer!!



Die Welt zu Gast in unserer Wohnung


Ryan, Moritz,Irene, Jorge und ich im Tio Molonio



Ein surrealistischer Akt auf den Straßen der Stadt



Der Messias und sein Gefolge

La Locura se extende...

...und nun ist mir mal wieder danach, meine Produktivität auf meinen Blog zu konzentrieren...

In meiner WG tobt der Wahnsinn seit am Mittwoch Ryan, Jorges Ex-Mitbewohner, einem Messias gleich aufgetaucht ist. Diesen Namen trägt er jetzt auch (in Variation mit Jesus, Heiland, Heiliger etc.). Das kommt daher, dass seit meinem Einzug kein Tag verging, an dem Jorge nicht von dem Messias redete und auch alle anderen schienen regelrecht verliebt in ihn zu sein, sodass der Eindruck entstand, wenn der Messias eintreffen würde, würde alles gut werden und er würde uns alle mit seiner Weisheit, seinem Charisma und seiner Heiligkeit in den Bann ziehen. Además, passt es natürlich, dass schon die alten Erasmus-Leute und Jorges Freunde den Plaza San Juan, also Ort unserer Residenz in Plaza San Jorge umtauften und dazu, dass der Heilige Georg ständig Lebensweisheiten verbreitet, die mir manchmal tierisch auf den Keks gehen. Etwa: Neinnein,dir ist gar nicht schlecht,dass ist alles psychosomatisch. Ein Optimist wie er im Buche steht, aber völlig übertrieben. Viel muss er noch lernen,der Gute! Zurück zum amerikanischen Wahnsinn: Seit Ryan hier aufgetaucht ist, herrscht das Chaos in der gesamten Wohnung, da er beispielsweise seine fünf Paare Schuhe überall herumliegen lässt,ebenso wie seine Gitarre und seine Würde. Unfassbar! Ein Tag mit Ryan ist noch fataler als ein "normaler" spanischer Tag: Aufstehen am Mittag oder Nachmittag, dann sofort im Schlafanzug oder Jogging-Look in irgendein Café um eine fettige spanische Mahlzeit mit Tortillas, Pan und Patatas Fritas zu sich zu nehmen, darauf folgen noch einige weitere Cafés, vielleicht auch ein Schachspiel oder sonstige Einfälle und daaaaaaaaaaaann um sieben oder acht klimpert er vielleicht wenn es ihm einfällt auf seiner Gitarre herum oder lehrt seinem treusten Jünger den Heiligen Georg die besten Lebensweisheiten... Um acht will er sich dann auch meistens schon mit irgendwelchen Leuten treffen und dann verbringt er eigentlich die ganze Nacht in Bars und Diskotheken, manchmal schläft er danach auch einfach nicht und zerstört unsere Küche, indem er den Gasofen fast in Brand setzt, Gläser auf den Boden wirft und sonstige tonterías macht. Seit seiner Ankunft behauptet er außerdem, dass es "morgen" nach Sevilla geht, aber da er ja ständig mit dem Wahnsinn, der sich sein Leben nennt, beschäftigt ist, ist er nicht dazu in der Lage und willens etwas zu planen, deshalb ist nun der Plan "morgen" die Stadt zu verlassen... wers glaubt!

Aber damit ist der Wahnsinn hier nicht annähernd beschrieben, unser Haus ist eigentlich ohnehin schon ein Irrenhaus: Über uns wohnt ein transsexueller Architekt,der den gleichen Namen trägt wie mein Mitbewohner und neben uns wohnt einer der bedeutendsten spanischen Poeten der Gegenwart: Miguel Suárez.
http://www.nortecastilla.es/20091003/cultura/miguel-suarez-recuperado-20091003.html
Leider ist er naturgemäß sehr sensibel und hat schon mindestens dreimal damit gedroht seinem Leben voller Zahnschmerzen ein Ende zu setzen. Zum Arzt will er nicht gehen, statt dessen ernährt er sich hauptsächlich von Orangen und Zigaretten, sowie von dem Geld,dass er sich von meinem Mitbewohner pumpt. Eines Tages werden wir mal mit einer Flasche Wein zu ihm hinüber gehen und ihn seine sich in unserem Besitz befindlichen Gesammelten Werke signieren lassen... Man weiß ja nie!

Auch der Plaza San Jorge vor unserem Haus ist ein wahres Paradies für anthropologische Studien. Man muss sich einfach nur auf den Balkon stellen und die tobende Menge von Spaniern beobachten, gerne auch begleitet von lautstarken Kommentaren. Da unsere Balkontür immer auf ist, fühlt man sich auch nie alleine, die Wände sind so dünn, dass man im Bett liegend das Gefühl nicht los wird, dass sich die halbe Stadt in der eigenen Wohnung aufhält (was während Ryans Besuch real der Fall war,aber das ist eine andere Geschichte).

Wie immer schließt dieser Eintrag mit Fotos.

Ein vergleichsweise seltenes Ereignis in diesen Tagen:



Und täglich grüßt das Murmeltier..Sara und unser Internet



Zum guten spanischen Leben gehört auch gutes Essen. Mittlerweile habe ich meine Kocherfahrung schon um Pasta mit Krabben, Flammkuchen und Pilz-Risotto erweitert. To be continued..