Seid gegrüßt, FreundInnen des Herbstes!
Vor etwa einer viertel Stunde habe ich mein doch vergleichsweise warmes Heim wieder betreten und kann euch deshalb nun ganz frisch meinen heute erlebten Tagesausflug nach MEDINA DEL CAMPO schildern, der mal wieder einige Abenteuer mit sich brachte...
Zusammen mit Klaudia und Sara brach ich gegen Mittag bei Sonnenschein und gemäßigt herbstlichen Temperaturen mit dem Zug ins nahe gelegene Medina del Campo auf, einer der sicherlich bedeutenden historischen Stätten Spaniens, wo einst Königinnen und Könige residierten und der Handel sowie das Leben blühte. Mit etwa 21.000 Einwohnern handelt sich tatsächlich um eine Stadt, die jedoch vor allem als Headquarter der Katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón gilt und darüber hinaus ein recht prächtiges Schloss, das Castilla de la Mota, sein eigen nennt. Mit selbigem begannen wir dann auch unsere Tour, die allerdings nicht länger als 20 Minuten andauerte, da man nur die Kapelle und den Innenhof besichtigen konnte.




Gleich darauf steuerten wir auf das historische Stadtzentrum, der sonst im Allgemeinen recht unansehnlichen Wohnbunker-Stadt, zu und schafften es vor der Siesta (Wir erinnern uns: von 14 bis 17 Uhr.) auf den Plaza Mayor und die Touristeninfo, wo wir uns einen Stadtplan holten.
DOCH HALT! Die herbstliche Harmonie wurde durch einen entscheidenden Vorfall unterbrochen, nämlich: Den Eintrag unserer Personalien in spanische Polizeiregister. Was war geschehen? Nun...auf unserem Weg in den Stadtkern kamen wir an einem recht schönen Backsteinhaus vorbei und hielten es auf Foto fest. Als wir gerade unseren Weg weiter begehen wollten, kam ein spanischer Wachmann herbeigelaufen und forderte unsere Persos von uns und die sofortige Löschung unseres soeben getätigten Fotos! SKANDAL im beschaulichen Medina del Campo! Noch immer steht der Leser oder die Leserin dieser Fülle von Ereignissen ratlos gegenüber, jedoch nicht mehr,wenn sich herausstellt, dass das malerische Gebäude ein Regierungsgebäude war und man uns unter Umständen für deutsche Spionen hielt. :D Hoch die Tassen! Kopien unserer Ausweise liegen nun also vor und nun müssen wir es uns doppelt überlegen,ob wir bei rot über die Ampel gehen. ;) Verrückt, die Spanier!
Danach hieß es dann erstmal: Zeit totschlagen. Und vor allem etwas Nahrung zu uns nehmen, da wir bis zu jenem Zeitpunkt am Nachmittag nur leere Mägen vorweisen konnten. Also suchten wir uns eine Bar jenseits der Touristenplätze und verspeisten dort landestypische Tortillas (die ich im übrigen bald nachkochen werde,ha!). Danach wechselten wir einige Straßen weiter in ein Café im warmen Sonnenschein des Plaza Mayor und genossen diverse Heißgetränke. Wer nun ein wenig nachrechnet, kann sich denken,dass damit noch keine drei Stunden vergangen waren, allerdings muss ich nun auch erwähnen, dass schon um 16 Uhr das Museo de las Ferias und der Palacio Testamentario de Isabel, la Católica aufmachten, wir also nur noch eine halbe Stunde in einem nahe gelegenen Park verbrachten.





Bueno... Mit der deutschen Pünktlichkeit im Schlepptau gelangten wir um 16.05 Uhr ins Museum, welches ich an dieser Stelle nur jedem ans Herz legen kann. Im Wesentlichen beschäftigt es sich mit der Geschichte der Jahrmärkte in Medina del Campo. Unbeteiligte mögen das jetzt merkwürdig finden, jedoch sorgt die Information, dass die Stadt in der frühen Neuzeit zu einem der bedeutendsten Handelsplätze im Königreich gehörte, hier für ein AHA-Erlebnis. Ganz aufschlussreich auch für meine Magisterarbeit, da es eben auf jenen Jahrmärkten geschah, dass die Krone ihre Bänker und Kreditgeber ausbezahlte - also jene Leute, die zuvor ganze Söldnerheere vorfinanziert hatten. :D Das Museumspersonal war sehr hilfreich und die Audioguides sehr liebevoll gestaltet, so etwa mit Rollenspielen und dem notwendigen Ambiente (Musik, Geräuschskulisse etc.).
Darauf führte uns der Stadtplan noch auf eine Stippvisite in den Palacio zum Testament Isabellas von Kastilien. Obwohl mich die Originaldokumente natürlich in ihren Bann zogen, gab es hier alles in allem nicht viel zu sehen... Abgesehen davon galt es für uns auch den Zug um halb sieben zu nehmen, andernfalls - so dachten wir - hätten wir noch zwei Stunden warten müssen.



Wie das Leben so spielt, mussten wir tatsächlich zwei Stunden am Bahnhof verbringen, da sich herausstellte, dass es gar keinen Zug zu beschriebener Zeit gab und dass der Wahnsinn uns anscheinend dahingehend die Sinne vernebelt hatte. Hungrig waren wir aufgrund unserer nur spärlichen Nahrungsaufnahme selbstverständlich auch und mussten deshalb von der Hand in den Mund bzw. vom Automaten mit Chips und Schokokeksen leben. Zumindest bis wir um 9 wieder in unserer Heimat angelangt waren und um 10.30 schließlich den wirklich sehr unterhaltsamen und abwechslungsreichen Tag beim Chinesen ausklingen ließen. Viva Espana...


P.S. Irgendwie hat mich das ganze an meine Frankreich-Ausflüge erinnert. An dieser Stelle also ein freundliches SALUT an alle damals Beteiligten. I miss you all!!
P.P.S. Auch brandheiß diese Woche: Das Museo Oriental und Campo Grande in Valladolid und das hervorragende Konzert von The Sunday Drivers. Doch davon ein anders Mal mehr.