Dienstag, 10. November 2009

99 Luftballons oder Der deutsche Abend




Wie schon einmal erwähnt, fand gestern rechtzeitig zum Tag des Mauerfalls ein deutscher Abend statt, was im Klartext heißt: deutsches Essen (und zwar eine Menge!), deutsche Musik und etwa 12 Spanier und ein paar internationale Leute, die "Die Gedanken sind frei" zum besten geben. :D

Exkurs: An dieser Stelle fällt mir auf, dass ich eine wichtige Entwicklung noch nicht erwähnt habe: Seit etwa zwei Wochen gebe ich meinem Mitbewohner Jorge und Irene Deutschunterricht, wobei ich augenscheinlich mehr deutsche Organisiertheit, Disziplin und Effizienz an den Tag lege, als ich das in Deutschland je gemacht habe. So habe ich einige Arbeitsmaterialen entwickelt und den beiden als erstes eben jene eisernen Grundpfeiler good-old Germanys beigebracht: Ordnung, Effizienz, Pünktlichkeit, Disziplin. ;) Und eben im Rahmen dieses Unterrichts kam dann auch die Idee auf, man könne doch "Die Gedanken sind frei" einstudieren...

Doch der Reihe nach: In einer mal wieder hungrigen Stunde in der Nacht oder am Nachmittag als sich die Öffnungszeiten spanischer Bistros als fatal herausstellten, wurde die Idee geboren, in naher Zukunft einen Abend mit einigen typisch deutschen Spezialitäten zu gestalten. Was bot sich da mehr an, als der Tag des Mauerfalls, der gestrige Montag also? Gesagt, getan, und so kam es, dass Sara und ich in den Morgenstunden loszogen und über 5 Kilo Kartoffeln und diverse andere Zutaten aus den umliegenden Supermärkten (inklusive Lidl und Aldi) herbeikarrten und uns den Tag damit vertrieben in die Massenproduktion unseres Menüs zu gehen. Massenproduktion vor allem deshalb, da das ursprünglich in kleinem Kreis geplante Food-Tasting in eine kleine Dinnerparty von schätzungsweise 17 bis 21 Leuten ausgeartet war. Spanien eben. Auf dem Speiseplan: Kartoffelsalat mit Frankfurter Würstchen, ein Eintopf bestehend aus Hackfleisch, Paprika und ähnlichem, Flammkuchen mit Zwiebel und Schinken bzw. ersatzweise mit Tomaten und Mozzarella, einige Häppchen (darunter auch Pumpernickelbrot und saure Gurken) und last but not least Kartoffelkuchen mit Zimt. Als typische Getränke sollten natürlich Bier, aber auch Jägermeister und später Glühwein gereicht werden.

Exkurs: Tatsächlich kennen die Spanier weder Jägermeister noch Glühwein! Allerdings ist es uns durch diverse Umwege und Verbindungen gelungen, eine dauerhafte Verbindung zu einer sprudelnden Jägermeisterquelle aufzutun. So müssen wir nur einen Anruf tätigen und unser "Pagajägermeister" zaubert uns die gewünschte Anzahl von Flaschen her. (--> im Spanischen existiert ein Ausdruck "Pagafantas", der einen Mann bezeichnet, der für sein Date/oder eine Frau alles bezahlt, also Getränke und so weiter, weil er sich davon mehr erhofft, allerdings erweist sich seine Hoffnung am Ende als vergeblich. Ich habe das ganze einfach auf den Jägi umgemünzt.)
Was den Glühwein angeht, den kann man ja bekanntlich recht einfach herstellen, allerdings ging er am gestrigen Abend völlig unter und somit haben wir nun 8 Liter Wein bis an unser Lebensende. Mal abgesehen von den unzähligen Bier- und Weinflaschen, die uns noch bleiben und den Essenbergen.

Aber zurück zum Tag/Abend. Die Essensproduktion verlief weitestgehend reibungslos und obwohl ich beispielsweise vorher noch nie in meinem Leben Kartoffelsalat hergestellt habe und schon gar nicht einen Riesenbottich davon, gelang es außerordentlich gut.
Wer glaubt, das war schon alles, täuscht sich: Während wir das Essen vorbereiteten, kümmerten sich Irene und Jorge um die Deko, nämlich eine nachgestellte Mauer aus Luftballons quer durch den Salon, die dann später von beiden Seiten durchstochen werden sollte, woraufhin sich alle jubelnd in die Arme fallen und "Die Gedanken sind frei singen". Verrückte aber auch sehr gute Idee!!

Gegen halb zehn/zehn trudelten dann auch schon die Gäste ein, weitestgehend Spanier und Deutsche, aber weitere Länder waren rudimentär vertreten. Bald fand nun auch die Performance statt, begleitet von Hugo auf der Gitarre: Zunächst "Another brick (freak) in the wall", dann eine sehr schiefe Version von "99 Luftballons" gesungen von Sara, mir und Nadi, daraufhin der "Mauerfall" und schließlich der Höhepunkt, nämlich "Die Gedanken sind frei". Großes Kino! :)
Den restlichen Abend verbrachten die Gäste der Dinnerparty eigentlich hauptsächlich mit Essen, Trinken und Talk Talk Talk, bis sich um halb eins Jorge II (unser Nachbar von obendrüber) über den erhöhten Lärmpegel beschwerte und ein Großteil der Gruppe weiter ins Tio Molonio. Auch ich schloss mich dem an, allerdings nur auf ein schnelles Bier. Danach bewies ich einmal mehr Disziplin und Ordnungsliebe und begann schon aufzuräumen, was ich dann heute mittag noch fortsetzte bzw. beendete.

Alles in allem ein gelungener Abend, was bleibt sind nicht nur Fotos, sondern auch Berge von Essen, Wein, Weib und Gesang...






















Sonntag, 8. November 2009

I don´t care as long as you sing

FreundInnen der musikalischen Gehörgangsmassage!

Wie ihr vielleicht wisst, ist Musik eine meiner mannigfaltigen Beschäftigungen von Interesse Nummer 1. Und so begab es sich bis jetzt des öfteren, dass ich dem einen oder anderen Konzert in Valladolid oder zumindest Kastillien beiwohnte und vermutlich auch in Zukunft beiwohnen werde.

Exkurs: An dieser Stelle ist zu notieren, dass sich meine Musiksammlung vor allem aus amerikanischen, kanadischen und britischen Künstlern zusammensetzt, stellenweise durchzogen von deutschen, französischen und spanischen Virtuosen verschiedenster Art. Dies stellt ich just fest, als ich die Tage eine Playlist für das Deutsche Essen zur Feier des Mauerfalls am Montag vorbereitete (dazu ein anderes Mal mehr). In Frankreich habe ich nur ein Handvoll frz. Singer Songwriter kennengelernt, nada más. Das ist hier in Spanien anders, zum einen da sich meine musikalischen Ambitionen noch vertieft haben, zum anderen weil ich mich stellenweise in der Gesellschaft musikbegeisterter Spanier befinde, die mir rechtzeitig anstehende Konzerte mitteilen.

Von den Konzerten der britischen und sehr unterhaltsamen Gruppe THE WAVE PICTURES gab es schon an früherer Stelle bildliche Impressionen. Sie scheinen des öfteren gern gesehene Gäste in Pucela (so nennte der Volksmund Valladolid) zu sein und das zurecht, da sie sehr sympathisch sind und ihre Songtexte großes Unterhaltungspotential haben. Mittlerweile sehr große Beliebtheit im Radius unseres Casas genießt ihr Song "Strange Fruit For David", den Hugo mittlerweile auch auf unseren WG-Partys mit seiner Gitarre anstimmt:

The Wave Pictures - Strange Fruit For David



Ein weiteres Highlight, die in Spanien sehr bekannte spanische Indie-Band THE SUNDAY DRIVERS. Sie singen tatsächlich in Englisch und brachten das Theater, in dem aus Ermangelung an Lokalitäten das Konzert statt fand, zum Brodeln.

The Sunday Drivers

Anspieltipp: Hola (see the animals), Specially (today), Raw


Auch diese Woche brachte einige musikalische Schmankerl. So etwa FABIÁN, einen jungen Singer Songwriter aus León, der in intimer Runde im Café Teatro seine Stücke zum besten gab und zwar auf Spanisch. (An dieser Stelle sei die Bemerkung gestattet, dass ich in der spanischen Singer Songwriter-Landschaft großes Potential sehe. Die meisten spanischen Gruppen anderer Musikrichtungen erscheinen mir oft ein wenig langweilig oder schnulzig, wenn sie auf Spanisch singen.)

FABIÁN

Anspieltipps: Páginas tuyas, Palabras raras


Und last but not least als Höhepunkt der Woche gab es gestern das TWO DAY FESTIVAL auf die Ohren, ein Festival, das es wohl schon seit ein paar Jahren in Valladolid - Salamanca gibt und jeweils mit einem nahezu identischen Line Up eintägig an einem Wochenende in den beiden genannten Städten statt findet. Bei den anwesenden Bands handelt es sich vor allem um spanische MusikerInnen, was natürlich einige Einblicke in die spanische Musikszene erlaubt. Der musikalische Wahnsinn dauert so über 12 Stunden, in unserem Fall also von 12 Uhr mittags bis vier Uhr morgens - nichts für schwache Nerven, Rücken und Gehörgänge. Mein Fazit lautet, dass es auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und stellenweise ein großer Spaß war, allerdings auch, dass es doch ein Festival für Spanier ist. Das nicht so sehr, weil die Gruppen größtenweils spanischer Herkunft sind oder spanisch singen, sondern weil sich für mich streckenweise alle ein wenig uninteressant gleich anhörten, die Spanier aber unterdessen begeistert mitgröhlten.
Dennoch gibt es natürlich wie immer auf Festivals einige großartige Entdeckungen zu vermelden:

ELASTIC BAND, eine bisweilen anstrengende psychodelisch, elektronische FolkPop Band, die sich aber wenigstens von dem Einheitsbrei abhebt und bisweilen recht interessante Songs darbietet. (Anspieltipp: A little bit of lovin)

ARIZONA BABY, eine sehr sympathisch, stark behaarte Gruppe aus Valladolid, die CountryFolkPop o.ä. produzieren und deren CD ich spontan käuflich erworben habe.

Arizona Baby


BILLY THE VISIO & THE DANCERS, ein weiteres mal eine schwedische Combo, die really ass kickt! Mit Abstand die beste Bühnenshow an diesem Tag und außerdem recht bizarre Ansammlung von Kuriositäten und Instrumenten. (Anspieltipp: Summercat, Ask for more)

Billy The Vision & The Dancers


RUSSIAN RED, eine weitere Singer Songwriterin und irgendwie auch Pop, nett anzuhören und eine überzeugende Vorstellung. Leider war ich zu dem Zeitpunkt als sie die Bühne betrat schon zu müde und hungrig um die nötige Euphorie aufzubringen...

MAGIC ARM, eine Zwei-Mann-Combo aus dem gefeierten Manchester, rießen mich aus meiner Lethargie wieder ein wenig heraus und entlockten mir zumindest Faszination, da sie eine Musikmischung aus Elektronik, Folk und Abstrusität hervorbrachten, leider aber nur vier Songs spielten, da sie die Vorgruppe von CAMERA OBSCURA waren und die Zeit schon fortgeschritten war. Aus ihnen kann aber noch einiges werden.

Magic Arm



Viva la música!





Montag, 2. November 2009

B-Sides

...und noch einige weitere digitale Impressionen der letzten Wochen...

Der erste Glühwein







Take you down to my BOAT on the river...Eine Schifffahrt auf der Leyenda de Pisuerga (der lokale Fluss)







Herbstliches Picknick am Stadtstrand








End of the World Party: Halloween 2009



Es ist vollbracht: Unsere erste WG-Party liegt hinter uns und - wie sollte es auch anders sein - handelte es sich um eine Mottoparty passend zu Halloween. FreundInnen des Gießener Studentenlebens erinnern sich an dieser Stelle gerne an diverse Verkleidungsparties mit den Themen Think Pink!, 70s, 80s, Typische Geschlechterrollen, Gefangen im verwunschenen Märchenwald und und und. Und in der Tat sorgten auch diesmal zahlreiche Kostüme, die mit Geistern, Monstern, Vampiren und Weltuntergang zu tun haben, für gute Unterhaltung. ;) Anwesend war eine monströste und teilweise destruktive Mischung aus Deutschen, Spaniern, Japanerinnen, Italienern und Irinnen, welche dann zu einem späteren Zeitpunkt noch diverse Bars und Discos unsicher machten. Eine sehr gelungene Party!!!