Wie ihr vielleicht wisst, ist Musik eine meiner mannigfaltigen Beschäftigungen von Interesse Nummer 1. Und so begab es sich bis jetzt des öfteren, dass ich dem einen oder anderen Konzert in Valladolid oder zumindest Kastillien beiwohnte und vermutlich auch in Zukunft beiwohnen werde.
Exkurs: An dieser Stelle ist zu notieren, dass sich meine Musiksammlung vor allem aus amerikanischen, kanadischen und britischen Künstlern zusammensetzt, stellenweise durchzogen von deutschen, französischen und spanischen Virtuosen verschiedenster Art. Dies stellt ich just fest, als ich die Tage eine Playlist für das Deutsche Essen zur Feier des Mauerfalls am Montag vorbereitete (dazu ein anderes Mal mehr). In Frankreich habe ich nur ein Handvoll frz. Singer Songwriter kennengelernt, nada más. Das ist hier in Spanien anders, zum einen da sich meine musikalischen Ambitionen noch vertieft haben, zum anderen weil ich mich stellenweise in der Gesellschaft musikbegeisterter Spanier befinde, die mir rechtzeitig anstehende Konzerte mitteilen.
Von den Konzerten der britischen und sehr unterhaltsamen Gruppe THE WAVE PICTURES gab es schon an früherer Stelle bildliche Impressionen. Sie scheinen des öfteren gern gesehene Gäste in Pucela (so nennte der Volksmund Valladolid) zu sein und das zurecht, da sie sehr sympathisch sind und ihre Songtexte großes Unterhaltungspotential haben. Mittlerweile sehr große Beliebtheit im Radius unseres Casas genießt ihr Song "Strange Fruit For David", den Hugo mittlerweile auch auf unseren WG-Partys mit seiner Gitarre anstimmt:
The Wave Pictures - Strange Fruit For David
Ein weiteres Highlight, die in Spanien sehr bekannte spanische Indie-Band THE SUNDAY DRIVERS. Sie singen tatsächlich in Englisch und brachten das Theater, in dem aus Ermangelung an Lokalitäten das Konzert statt fand, zum Brodeln.
The Sunday Drivers

Anspieltipp: Hola (see the animals), Specially (today), Raw
Auch diese Woche brachte einige musikalische Schmankerl. So etwa FABIÁN, einen jungen Singer Songwriter aus León, der in intimer Runde im Café Teatro seine Stücke zum besten gab und zwar auf Spanisch. (An dieser Stelle sei die Bemerkung gestattet, dass ich in der spanischen Singer Songwriter-Landschaft großes Potential sehe. Die meisten spanischen Gruppen anderer Musikrichtungen erscheinen mir oft ein wenig langweilig oder schnulzig, wenn sie auf Spanisch singen.)
FABIÁN
Anspieltipps: Páginas tuyas, Palabras raras
Und last but not least als Höhepunkt der Woche gab es gestern das TWO DAY FESTIVAL auf die Ohren, ein Festival, das es wohl schon seit ein paar Jahren in Valladolid - Salamanca gibt und jeweils mit einem nahezu identischen Line Up eintägig an einem Wochenende in den beiden genannten Städten statt findet. Bei den anwesenden Bands handelt es sich vor allem um spanische MusikerInnen, was natürlich einige Einblicke in die spanische Musikszene erlaubt. Der musikalische Wahnsinn dauert so über 12 Stunden, in unserem Fall also von 12 Uhr mittags bis vier Uhr morgens - nichts für schwache Nerven, Rücken und Gehörgänge. Mein Fazit lautet, dass es auf jeden Fall eine interessante Erfahrung und stellenweise ein großer Spaß war, allerdings auch, dass es doch ein Festival für Spanier ist. Das nicht so sehr, weil die Gruppen größtenweils spanischer Herkunft sind oder spanisch singen, sondern weil sich für mich streckenweise alle ein wenig uninteressant gleich anhörten, die Spanier aber unterdessen begeistert mitgröhlten.
Dennoch gibt es natürlich wie immer auf Festivals einige großartige Entdeckungen zu vermelden:
ELASTIC BAND, eine bisweilen anstrengende psychodelisch, elektronische FolkPop Band, die sich aber wenigstens von dem Einheitsbrei abhebt und bisweilen recht interessante Songs darbietet. (Anspieltipp: A little bit of lovin)
ARIZONA BABY, eine sehr sympathisch, stark behaarte Gruppe aus Valladolid, die CountryFolkPop o.ä. produzieren und deren CD ich spontan käuflich erworben habe.
Arizona Baby

BILLY THE VISIO & THE DANCERS, ein weiteres mal eine schwedische Combo, die really ass kickt! Mit Abstand die beste Bühnenshow an diesem Tag und außerdem recht bizarre Ansammlung von Kuriositäten und Instrumenten. (Anspieltipp: Summercat, Ask for more)
Billy The Vision & The Dancers

RUSSIAN RED, eine weitere Singer Songwriterin und irgendwie auch Pop, nett anzuhören und eine überzeugende Vorstellung. Leider war ich zu dem Zeitpunkt als sie die Bühne betrat schon zu müde und hungrig um die nötige Euphorie aufzubringen...
MAGIC ARM, eine Zwei-Mann-Combo aus dem gefeierten Manchester, rießen mich aus meiner Lethargie wieder ein wenig heraus und entlockten mir zumindest Faszination, da sie eine Musikmischung aus Elektronik, Folk und Abstrusität hervorbrachten, leider aber nur vier Songs spielten, da sie die Vorgruppe von CAMERA OBSCURA waren und die Zeit schon fortgeschritten war. Aus ihnen kann aber noch einiges werden.
Magic Arm

Viva la música!

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen