Room with a view: Die Aussicht zum Plaza San Jorge (eigentlich: Juan)
Bueno,chicos y chicas!
Schon lange habe ich nichts mehr von mir hören lassen. Das liegt nicht unbedingt daran, dass hier nichts passiert. Ganz im Gegenteil. Hier weiß man manchmal nicht, ob man vor dem Fernsehen oder im Fernsehen ist. A veces (manchmal) die reinste Telenovela!
Mein Schweigen hängt allerdings auch damit zusammen, dass sich meine Zeit hier dem Ende zuneigt und ich deshalb verstärkt mit meiner Arbeit beschäftigt bin, die ja meine eigentliche Hauptbeschäftigung ist. Außerdem stimmt mich meine baldige Rückkehr nach Deutschland irgendwie auch sehr traurig. Vor allem, wenn ich daran denke, dass ich diese ganz großartige Wohnung/WG verlassen muss, bricht es mir das (kalte) Herz. So viele großartige Momente (auch außerhalb), zahlreiche einzigartige Persönlichkeiten, viel Herzblut und eine einmalige Nachbarschaft!
Deshalb nun diese Ode an mein Haus, das Haus am Plaza San Jorge No.4. Es ist wahrlich ein Haus voller Poeten und Verrückter! Bereits in einem früheren Beitrag berichtete ich über unsere Nachbarschaft: Nebenan der verzweifelte, von Zahnschmerzen geplagte Poet, der meinem Mitbewohner nebenbei bemerkt gestern von seinem Selbstmordversuch vor drei Jahren erzählte, aber nun wieder "besserer Dinge" ist und sogar mit mir über seine Werke diskutieren wollte. Dann über uns der transsexuelle Architekt, der abends gerne mal Stöckelschuhe in seiner Wohnung trägt und von morgens um 5 bis abends um 9 als Architekt arbeitet. Darüber wiederum ein Mann des Theaters, der laut unserer Vermieterin letztens in einem Werbespot auftrat. Daneben eine recht frustrierte, von ihrem Job als Putzfrau geplagte Frau, die ihren Frust gerne an unseren Müllsäcken im Flur auslässt. Darunter ein Pärchen oder eine Frau mit Hund, der völlig durchgedreht ist und immer so aussieht als wollte er einem gleich an die Gurgel springen. Ein wachsames Auge auf diesen Wahnsinn hat natürlich die Vermieterin, der der halbe Platz gehört und die trotz ihrer Sozialisation in der Franco-Ära (wie Ryan zu betonen pflegt) einfach sehr in Ordnung ist.
Doch es ist nicht nur dieser alltägliche Wahnsinn, den ich vermissen werde. Auch unsere Wohnung, deren Ästhetik ebenfalls schon zu einem früheren Zeitpunkt hier zu bewundern war, ist trotz ihres Verfallszustands doch großartig und hat irgendwie eine Seele. Nie werde ich die Aussicht vom Balkon des Wohnzimmers oder allein durch dessen Fenstertür vergessen: Der Plaza mit seinen lärmenden Kindern und Hunden, den verrückten Spaniern, die alltäglich an unserer Tür vorbeispazieren, natürlich die Panaderia (Bäckerei) untendrunter, ebenso wie der Supermarkt und die Apotheke unserer Vermieterin und der kleine Park. Stundenlang könnte man so da stehen und seine Blicke von einem Ende des Platzes zum anderen schweifen lassen. Noch mehr, wenn der Regen hernieder prasselt und man ein ums andere Mal das großartige THE NATIONAL Album "Boxer" auflegt...
Oh home, sweet home, voy a echarte de menos!

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