Es ist gleich vier Uhr morgens und ich fühle das Bedürfnis mich meinem Blog zuzuwenden und meine nächtlichen Wachzustände somit mit allen Abwesenden zu teilen. ;)
Zunächst stellt sich natürlich die Frage, wie es soweit kommen konnte, dass ich um diese Uhrzeit noch wach bin. Dafür gibt es prinzipiell unzählige Erklärungen: eine durchtanzte Nacht, Schlaflosigkeit oder ein Arbeitsmarathon. Alles davon habe ich hier schon erlebt, allerdings handelt sich diesmal vor allem um letzteres. Denn ab gestern waren es nur noch zwei Wochen bis zu meiner Rückkehr nach good-old Germany und das hat mich tatsächlich aus meiner Arbeits-Lethargie der letzten Tage gerissen und mir vor allem in den Abendstunden und in der Nacht einen ungeahnten Kreativitätsschub beschert. Das gefällt! Allerdings mal wieder unter extremen Bedingungen: Plötzlich haben wir nämlich weder warmes Wasser, noch eine funktioniernde Heizung. Außerdem hat sich aus ungeklärten Gründen ein Geschirrberg in der Spüle angehäuft und auf dem Wohnzimmertisch türmen sich Nikolausgeschenke, mein obligatorischer Bücherstapel, warme Milch mit Honig, eine Sojaflasche und übrig gebliebenes Sushi homemade by Irene und ein wenig Müll. Mittendrin statt nur dabei mein Mitbewohner Jorgito und ich, einträchtig arbeitend und dem Wahnsinn entsprechend nahe. Der Gute hat nämlich um halb elf ein Treffen mit seinem Tutor wg. seines Abschlussprojektes in Architektur und muss deshalb eine Nachtschicht einlegen. Hätte ich nichts zu tun, würde ich vermutlich allein wegen des Unterhaltungswerts diesem bunten Treiben zuschauen: Jorgito vor seinem Schreibtisch sitzend, konzentriert auf irgendeine Sache starrend oder Modelle bastelnd, dabei allerdings noch vor sich hin murmelnd. Ab und an tönen Worte wie "patiencia" (Geduld), "fuck" und "da igual" (egal) heraus, begleitend von tiefen Atemzügen oder Seufzern. Ein Riesenspektakel also! Immer wieder unterbrochen von Monologen, die irgendwie auch an mich gerichtet sind, in denen er einfach laut vor sich hindenkt oder über mögliche Reaktionen seines Tutors auf das Produkt seiner Arbeit spekuliert.
Entsprechend schwierig ist es für mich gelegentlich die Nerven zu behalten bzw. meiner Arbeit nachzugehen ohne ihn völlig zu ignorieren. Er ist halt ein Gesellschaftsmensch, der Gute. Wenn man so will, die Extremform einer WG, da er immer jemanden braucht, der ihn ermutigt, ihn berät oder mit ihm kommuniziert. Mein Wunsch nach Ruhe und Einsamkeit wächst beizeiten proportional zu diesem Bedürfnis, allerdings stelle ich dann acuh fest, dass ich offensichtlich mehr Geduld besitze, als ich das je für möglich hielt und bin dann ganz zufrieden mit mir selbst. Oder flüchte gelegentlich in mein Zimmer und nehme in Kauf, dass er denkt ich verfiele in Depressionen oder Wutanfälle ihn betreffend. Kulturunterschiede, Kulturunterschied... ;)
Anyway, bin ich gerade in diesem Moment, in dem die Uhr vier schlägt, recht zufrieden mit meinen Fortschritten, aber alle, die jemals an einer längeren wissenschaftlichen Arbeit saßen, wissen, dass das nicht von langer Dauer sein wird oder sein muss. Vor allem wenn die Zeit weiterhin so schnell vergeht.
In diesem Sinne: guten Morgen! Und noch einige Bilder vom Schlossarchiv in Simancas.


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